Marktstudie: Fast alle Produkte für Kinder sind ungesund
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© foodwatch/ Tina Weniger

Tony der Tiger von Kelloggs, der Pombär von Intersnack oder der Nesquik-Hase von Nestlé – wir kennen sie alle. Die kleinen Tierchen schmücken in auffällig bunter Aufmachung Kinderlebensmittel. Doch hinter der bunten Fassade versteckt sich eine weniger lustige Realität. Unsere aktuelle Marktstudie Kinderlebensmittel zeigt: 85,5 Prozent der an Kinder beworbenen Produkte von führenden Lebensmittelkonzernen enthalten zu viel Zucker, Fett und/oder Salz. Das ist kein Spaß, sondern eine echte Bedrohung. Denn die Werbung mit Comics und Spielzeugbeigaben beeinflusst nachweislich das Essverhalten von Kindern, mit langfristigen Folgen für die Gesundheit. In unserer aktuellen Marktstudie Kinderlebensmittel können Sie nachlesen, welch große gesellschaftliche Bedeutung das vermeintlich „niedliche“ Thema hat – und warum die Politik dringend handeln sollte. Viel Spaß bei der Lektüre!

Kinderlebensmittel im foodwatch-Test
Hallo und Guten Tag sylvia linnenkohl,

die Versprechen der Industrie klingen auf den ersten Blick gut: Lebensmittelkonzerne unterschreiben eine Selbstverpflichtung zu verantwortungsvollem Kindermarketing und senken freiwillig den Zuckergehalt von Kinderprodukten. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt: Unsere aktuelle Marktstudie beweist, dass nur ein Bruchteil der an Kinder beworbenen Lebensmittel ausgewogen ist – trotz Selbstverpflichtungen der Industrie!

Wir haben die Sortimente der führenden Lebensmittelunternehmen unter die Lupe genommen – darunter Nestlé, Ferrero und Unilever – und alle Produkte identifiziert, die an Kinder beworben werden. Das erschreckende Ergebnis: Von insgesamt 283 untersuchten Produkten enthalten 242 zu viel Zucker, Fett und/oder Salz. Gerade einmal 41 Produkte (!) im Test dürften nach den Empfehlungen der WHO an Kinder beworben werden. Der Großteil der Produkte, die mit Comicfiguren, Online-Gewinnspielen und Spielzeugbeigaben die Kinder anlocken, sind Zuckerbomben und fettige Snacks. Das passt so gar nicht zu der Darstellung der Lebensmittelwirtschaft, die keine Gelegenheit auslässt, um auf die von ihr angeblich wahrgenommene gesellschaftliche Verantwortung hinzuweisen.

Drei besonders dreiste Beispiele:
Kellogg‘s Frosties, Smacks und Tresor Choco nut
Die drei zuckrigsten Frühstücksflocken im Test kommen allesamt aus dem Hause Kellogg‘s. Trotz Zuckerreduktionsprogramm bestehen die Frosties und Smacks zu einem Drittel aus Zucker. Das ist mehr als doppelt so viel wie die WHO für Kinder-Frühstücksflocken empfiehlt.
Nesquik Duo und Lagnese-Eis Disney Frozen II
Die Nestlé-Cerealien „Nesquik Duo“ werben mit dem bekannten Comic-Hasen „Quickie“ und den Zutaten Vitamin B6, B3 und Eisen. Dabei enthält die Müsli-Mahlzeit 25 Gramm Zucker, also mehr als vier Zuckerwürfel je 50–Gramm-Portion. Damit ist Nesquik Duo alles andere als eine gesunde Mahlzeit für Kinder. Unilever wirbt für sein zuckriges Eis „Frozen II“ mit lizensierten Kinder-Idolen und dem Siegel „Responsibly Made for Kids“. Dabei beruft sich Unilever auf die WHO – obwohl die WHO an Kinder gerichtete Werbung für Eis kategorisch ablehnt.
Nestlé Smarties-Joghurts
Die drei zuckrigsten Joghurts im Test stammen von Nestlé. Obwohl der Hersteller den Zuckergehalt in den vergangenen Jahren reduziert hat, enthalten die Smarties-Joghurts etwa 50 Prozent mehr Zucker als die WHO für Kinder-Joghurts empfiehlt.

Vergleich zu 2015: Fast keine Änderung!

Bereits 2015 haben wir die Marktstudie Kinderlebensmittel mit gleicher Methodik durchgeführt – und ähnlichem Ergebnis: Damals waren 89,7 Prozent der Produkte ungesund. Heute sind es immer noch 85,5 Prozent! Es hat sich also praktisch nichts geändert. Die seit 14 Jahren (!) bestehende Selbstverpflichtung der führenden Lebensmittelunternehmen hat es bis heute nicht vollbracht, dass nur ausgewogene Produkte an Kinder beworben werden. Das zeigt: Die Strategie der Freiwilligkeit ist nachweislich gescheitert! Wir finden: Die künftige Bundesregierung darf beim Kindermarketing nicht weiter auf Selbstregulierung vertrauen, sondern muss gesetzliche Beschränkungen der an Kinder gerichteten Werbung im Koalitionsvertrag verankern!

Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich haben auch Eltern eine Verantwortung für die Ernährung ihrer Kinder. Doch das heißt nicht, dass die Lebensmittelindustrie mit ausgefeilten Methoden die Bemühungen der Eltern torpedieren darf, die ihren Kindern eine gesunde Ernährung beibringen möchten. Das müssen und dürfen wir uns als Gesellschaft nicht länger gefallen lassen! Die Ernährung der Kinder geht uns alle etwas an – ob wir selbst Kinder haben oder nicht. Lesen Sie mehr zu diesem wichtigen Thema. Unsere umfassende Marktstudie Kinderlebensmittel steht kostenlos zum Download bereit:

Lesen Sie hier unsere Marktstudie Kinderlebensmittel

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Oliver Huizinga

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